Erste Schritte in Adobe Captivate

Review und Alternativen zum Iversity Kurs „Interaktive Lernmodule erstellen mit Captivate 9“

Nach langem Philosophieren über Lernen, Lernumgebungen im die dazugehörige technische Unterstützung im Unternehmensumfeld möchte ich endlich einmal selbst ausprobieren. Gedankenanstoß dazu war ein Online Kurs, den ich auf Iversity gefunden habe. „Interaktive Lernmodule erstellen mit Captivate 9“ heißt der und wird vom Medienzentrum der Universität Mainz im Selbstlernmodus angeboten. Für Captivate habe ich mich entschieden, weil die Wahl auf dieses Authoring Tool in meinem Unternehmen gefallen ist. Meine anschließende eigene Recherche (zum Beispiel hier) verstärkte meinen Beschluss zusätzlich.

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Startseite des Iversity Kurses „Interaktive Lernmodule erstellen mit Captivate 9“, (C) Iversity/JGU

Anfangen möchte ich am liebsten gleich, muss dann aber doch etwas warten, bis die Testversion von Capitvate runtergeladen ist. Währenddessen arbeite ich mich durch Modul 1 zum Thema technischen Voraussetzungen und grundsätzliche Vorbereitung vor der Erstellung von Lehrmaterialien. Da lerne ich unter anderem, dass der Fachman CPT statt Captive schreibt, Dateistrukturierung wichtig ist und was mein Computer leisten muss, damit ich Lernmodule erstellen kann. Dann kommt eine Lernakivierung. Ich soll mit anderen teilen, wie ich meine Dokumente strukturieren möchte – überspringe ich mal lieber. Jetzt soll ich mir über die Auflösung und Responsive Design meines ersten Projektes Gedanken machen. Finde ich sehr gelungen. Ein PDF gibt kurze und prägnante Erklärungen und Empfehlungen. Besonders gut gefällt mir, dass Didaktik sowie der Lerner im Vordergrund stehen. So wird empfohlen, sich immer zuerst Gedanken darüber zu machen, wie die Nutzer später das Modul verwenden. Daraufhin sollen dann technische Entscheidugen getroffen werden. Die Nutzeroberfläche und die Timeline von CPT wird vorgestellt und erinnert mich an einen Mix aus Power Point und Windows Movie Maker. Da Projekte in Captivate folienbasiert aufgebaut sind, fürchte ich, dass ich mich beim Design zu sehr an PPT Präsentationen orientiere. Die muss ich in meinem Arbeitsalltag täglich erstellen. Ich nehme mir daher eine kurze Auszeit um mich von kreativen E-Learnings und Design Tips im Netz inspirieren zu lassen.

Gute Struktur und Praxisübungen aber wenig innovatives Design

Die Struktur des Kurses ist verständlich und am Ende soll ich also mein erstes Lernmodul mit CPT veröffentlichen. Entweder kann ich ein bereitgestelltes Projekt nutzen oder erstelle mein eigenes. In Kapital 1 habe ich technische Grundvoraussetzungen für den Kurs mit auf den Weg bekommen. Ich habe deutlich weniger als die angegebenen 4-6 Stunden gebraucht. Kapitel 2 und 3 widmen sich zweierlei didaktischen Schwerpunkten: Wissen präsentieren und Lernende aktivieren. Kapitel 4 beschäftigt sich mit dem Einfügen von Audio, während Kapitel 5 abdeckt, wie man Lernmodule veröffentlicht. Die Kursstruktur und die gezeigten Beispiele lassen vermuten, dass frisches und interaktives Design von Lerneinheiten nicht im Vordergrund steht. Bis jetzt sieht alles so aus, als würden wir einfach unsere liebgewonnenen PowerPoint Slides verdigitalisieren. Das wollte ich doch immer vermeiden. Die erste Praxisübung beschränkt sich wie vermutet auf das Arrangieren von Elementen auf einer Folie. Zusätzlich wird auf die externe Lernplattform OpenOLAT verwiesen, auf der man sein Wissen vertiefen können soll. Dort werden dann allerdings nur die Fragen aus den Quizzes bei Iversity in müdem Design auf einer Reihe von Slides wiederholt.

Wissen vermitteln: Wir starten mit dem Projekthintergrund

Leider starten wir nicht (wie der Titel vermuten lässt), mit dem Projekthintergrund oder einem Storyboard an. Es handelt sich tatsächlich um den graphischen Hintergrund des Lernmodules. Schade. Grundsätzliche Designhinweise zum Thema Schriftarten und Farbauswahl werden im Kapitel 2 abgedeckt. Die externen Quellen zur Farbkombination waren interessant (hier und hier). Die Informationen werden in PDF Dokumenten und Videos dargestellt, wobei die Videos Screencasts von CPT Funktionen sind, die mit mündlichen Erklärungen hinterlegt sind. Kapitel 2 behandelt also insgesamt Design-Basics, Roll-Overs sowie Markierung und Zoom.

 

Ich habe mich entschlossen, ein Lernmodul zu meinem Lebenslauf zu erstellen.

Lernende Aktivieren, Audio einfügen und Veröffentlichen

Kapitel 3 behandelt Möglichkeiten, Lernende zu aktivieren. Vorallem durch Quizze oder eben irgendwas auf Folien anklicken. In diesem Kapitel sind die Inhalte deutlich schwächer. War die Dozentin in vorherigen Kapiteln noch häufig selbst in den Videos zu sehen, nehmen PDFs und Screencasts nun Überhand. Auch wird hier immer wieder erwähnt, dass Inhalte und Aktivierungen zum eigenen Lernszenario passen sollen. Beispiele für solche Szenarien gibt es leider nicht – überwiegend werden also die unterschiedlichen Funktionen von CPT erläutert.

Das steht im starken Kontrast zum „Audio einfügen“ Kapitel, in dem ein ausführliches Video erklärt, worauf man grundsätzlich bei der Vertonung achten muss. Währenddessen merke ich, dass mir die Beispiele nicht genug Inspiration geben und langweilige Themen (wie die Geschichte der Uni Mainz) noch langweiliger erscheinen lassen. Parallel zum Kurs durchforste ich weiter das Internet nach besseren Alternativen. In den Praxisübungen wird man auch aufgefordert einen Lernlogg zu schreiben (der direkt von der Iversity Plattform angeboten wird) und Gelerntes mit anderen Mit-Lernern zu teilen. Auch wenn der Kurs bereits vor einem Jahr erstellt wurde, hat das niemand gemacht. Im letzten Kapitel 5 wird erklärt, wie man sein Lernmodul veröffentlichen kann und in zwei LMS einbetten kann (Moodle und OLAT). Auf die Aufforderung, sein eigenes Lernmodul zu teilen, hat niemand reagiert. Schade eigentlich.

Mein Fazit

Dieser Kurs mag gut geeignet sein für blutige Anfänger im E-Learning Bereich, die weder Vorerfahrung mit dem MS Office Paket noch mit der Erstellung von multi-medialen Inhalten haben.

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Mein Fortschritt im Kurs als Screenshot (der Download funktionierte nicht), (C) Iversity

Hat man selbst schon mit vielen hochwertigen E-Learnings gelernt und ggf. mit externen Anwendern zusammen Lernprojekte erstellt, wirkt der Kursinhalt altmodisch und fernab von hochwertigen Lernmodulen. Mir persönlich haben der Planungsprozess, ausführliche Designgrundlagen und didaktische Grundlagen gefehlt. Sich darüber Gedanken zu machen, wer der Lerner ist und an was für Geräten er/sie lernt war mir an Input zu wenig und zu generisch. Da die meisten E-Learning Projekte auch noch andere Interessenten haben (im Unternehmenskontext z.B. Themen-Experten, Projektsponsoren oder Abteilungsleiter) ist es häufig notwendig, Lernmodule vorher als Draft/Storyboard genehmigen zu lassen und zusätzlich auch die Idee und den Nutzen dahinter zu kommunizieren. Das deckt der Kurs bei weitem nicht ab und deutet es lediglich im Kapitel 5 an, wenn es um Revision und Iterrationen der Veröffentlichung geht. So fehlt das Thema Storyboarding inklusive didaktischem Konzept und Kommunikation komplett. Das didaktische Konzept des Kurses selbst ist dennoch gut durchdacht und strukturiert. Schade, dass bei den kollaborativen Aufgaben so wenig Resonanz gezeigt wurde.

Alles in allem zeigt der Kurs „Interaktive Lernmodule erstellen in Adobe Captivate 9“ viel „wie“ und wenig „warum“. Als Einstieg mag das gut geeignet sein, Vorteil ist, dass man bei weitem nicht die angedachten 4-6 Stunden pro Kapitel braucht. Nicht einmal, wenn man sein eigenes Lernprojekt selbst erstellt. Für ambitionierte E-Learner bieten sich allerdings zahlreiche Lernalternativen zu diesem Kurs.

Alternativen

So bietet Adobe selbst Tutorials an. Die sind zwar meist auf English, Vorteil ist jedoch, dass sie sich immer auf die neuste CPT Version beziehen. Ich habe mit CPT 10 (2017 Release) gearbeitet, einige Funktionen im Vergleich zum Iversity Kurs waren bereits unterschiedlich. Auf Deutsch gibt es aber auch das ein oder andere Tutorial auf Youtube, zum Beispiel  hier.

Zum Thema Design und auch Branchen-Jargong habe ich hier einen spannenden Blog Eintrag zu häufigen Design-Fehlern gefunden, sowie ein Glossary für werdende E-Learning Ersteller.

Eine Übersicht verschiedener Storyboard Tools gibt es hier, Adobe bietet aber auch selbst ein Tool dafür an. Ich persönlich habe vor einer Weile mit Storyboardthat gearbeitet, hier mein erstes und mein zweites Beispiel wie so etwas am Ende aussehen kann. Außerdem bin ich zu dem Schluss gekommen, das Storyboardthat nicht das optimale Werkzeug für meine Bedürfnisse ist.

Videos, die mich von Design und Umsetzung sehr inspiriert haben:

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2 Gedanken zu “Erste Schritte in Adobe Captivate

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